Diese
Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander sollten
vorliegen:
- Der Welpe sollte bereits beim
Züchter eingehend auf Kinder unterschiedlichen Alters
geprägt sein, lassen Sie sich von Ihrem Züchter bei
der Auswahl des Welpen im Hinblick auf seinen Charakter und das
Temperament beraten. Sie sollten mit dem Züchter die Auswahl
des Welpen treffen und diese nicht den Kindern überlassen.
- Eine vernünftige Grunderziehung
des Hundes sollte selbstverständlich sein
- Eine vernünftige Grunderziehung
ihres Kindes ebenso !
- Wenn Sie in der Lage sind respektvoll und
konsequent mit Ihrem Hund, wie auch mit Ihrem Kind umzugehen, leisten
Sie einen unerlässlichen Grundstein für ein
harmonisches Zusammenleben der Zwei - und Vierbeiner Ihrer Familie
- So wie es Tabuzonen für Kinder
gibt, müssen auch diese für den Hund gesetzt werden.
- Ihr Kind muss lernen, dass das
Familienmitglied Hund, auch eigene Bereiche hat, in die es sich
zurückziehen kann (z.B. der Korb, Hütte oder
Liegeplatz)
- Das Futter des Hundes ist
für das Kind tabu und ebenso ihn dabei zu stören; die
Mahlzeit des Kindes sollte auch für den Hund tabu sein und
ebenfalls das Probieren vom Teller oder das Klauen des Butterkekses aus
der Kinderhand.
- Der Hund ist ein Lebewesen und sollte als
dieses eine angemessen respektvolle Beachtung finden und nicht als
Spielzeug oder Babysitter herhalten!
- Eltern sind in erster Linie für
den Hund verantwortlich und niemand anders sonst.
- Benimmregeln in einem Haushalt mit Tieren
gelten nicht nur für die eigenen Kinder, sondern ebenso
für die Besucherkinder!

Wenn Sie all dies bejahen und immer noch den Wunsch nach einem Hund
für Ihre Familie haben, dann sollten Sie noch Einiges beachten:
Oft, werde ich gerade bei der Dogge gefragt: "Die sind doch kinderlieb,
diese sanften Riesen, oder ?"

Diese Frage kann ich klar verneinen. Es gibt nicht DIE kinderliebe
Rasse ! Es gibt Rassen unterschiedlicher Statur und Grösse mit
unterschiedlichen Zuchtmerkmalen und Einsatzzwecken und Trieben!
Innerhalb dieser Einteilung gibt es dann den erzogen oder unerzogenen
Hund, den artgerecht geförderten oder den frustrierten und
unterforderten, den sozialisierten und den nicht sozialisierten, den
der vieles kennenlernen durfte und den, den alles
ängstigt.
Entscheiden Sie sich z.B. für einen Border Collie der ein
Hütehund ist, so sollten Sie dem Tier auch gerecht werden. Ein
Hütehund der nicht hüten darf, wie es eigentlich
seine Aufgabe ist, wird sich bei Unterforderung irgendwann selbst zu
helfen versuchen, was dann im Hüten Ihrer Kinder endet und
nicht ohne Blessuren und blaue Flecken von statten gehen wird.
Nehmen wir einen in in aktueller Zeit recht zum Modehund mutierten Jack
Russel Terrier: Wissen Sie wie sie einen solch sportlichen und
triebigen Hund auslasten? Haben Sie die Zeit neben dem Haushalt und den
Kindern? Viele, die diese Frage verneinen und sich rein nach optischen
Gesichtspunkten für einen Hund entscheiden, ohne sich mit den
Rassemerkmalen auseinander gesetzt zu haben, bereuen es früher
oder später und haben das Nachsehen, wie in vielen
Fällen der Hund selbst, der sich
Ersatzbeschäftigungen im Zerlegen der
Wohnungseinrichtung sucht, da er sich nicht anders zu helfen
weiß und in letzter Konsequenz im Tierheim landet.
Eine Deutsche Dogge ist mit Ihrer hohen Reizschwelle, die vom
Zuchtverband gefordert wird, ein mögliches geeignetes
Familienmitglied, wenn Sie dementsprechend geprägt,
sozialisiert und erzogen wird. Hier liegt auch ein wichtiger Aspekt den
Sie beim Kauf einer Deutschen Dogge beachten sollten:
Kaufen Sie beim Züchter, der auch im einem Zuchtverband
züchtet und dessen Tiere eine Zuchtzulassung mit einer
dazugehörigen Wesensbeurteilung haben und
nicht beim
sympathischen sogenannten "Hobbyzüchter" dessen Tiere sich
zufällig gepaart haben und dessen Welpen mit Kindern
fotografiert worden sind um in einschlägigen Onlineanzeigen zu
werben.
Ein Hund, jeglicher Rasse, der mit Kindern leben soll muss erst einmal
diese kennenlernen. Der Hund ist ein stark visuelles Wesen, der die
Gestik, Mimik und Körpersprache in winzigen Nuancen wahrnimmt
und interpretiert. Somit sollte klar sein, dass Kinder
unterschiedlichen Alters sich anders fortbewegen und eine zum
Erwachsenen differenzierte Körpersprache aufweisen.
So ist der Bewegungsablauf eines 12 monatigen zweibeinigen
Windelrockers, der sabbernd durch die Wohnung stolpert für den
Hund erst einmal ein ungewohntes Bild.
Lassen Sie deshalb das Kind und den Hund niemals unbeaufsichtigt.
Oft hört man von Vorfällen, bei denen Kinder durch
Hunde verletzt werden , so entstehen die meisten Verletzungen im
Gesicht.
Kinder als Spezies der Primaten drücken häufig ihre
Begeisterung und Zuneigung zu einem Tier auf der Strasse durch das
Überbeugen über den Hund und zu ihm hin und den
Versuch diesen zu Umarmen.
Für den Caniden, der nicht auf Kinder geprägt ist
oder diese vielleicht gar nicht kennt, ist das Vorbeugen und Ansehen
eine agressive körperliche starke Geste kombiniert mit
zielgerichtetem
Blick, dass einem Fixieren mit den Augen gleicht. Jetzt kommen noch die
ausgebreiteten Arme von links und rechts und schon ist das
Unglück geschehen - der Hund kennt es nicht, fühlt
sich bedroht und muss abwehren um dem Übergriff zu entgehen,
da ihm kein Ausweg bleibt.
Oft ist dann die Berichterstattung recht einseitig und alle sind sich
einig, es geschah willkürlich und ohne Vorwarnung, da niemand
auf das Tier und das Kind wirklich geachtet hat.
Wir halten oft in den Grundschulen Unterricht zu diesem Thema ab, um
auch Kindern, die keinen Hund haben oder Angst vor diesen zeigen, den
richtigen Umgang beizubringen. Zu diesem Zweck bitte ich oft ein Kind
sich im Schneidersitz auf den Boden zu setzen, sich vorzustellen es sei
ein Hund, der vielleicht auch noch angeleint ist und nun komme ich und
bin ganz begeistert. Ich komme mit ausgebreiteten Armen, beuge mich
über das Kind und versuche nun meine Arme um dieses von oben
zu legen....
In diesem Moment begreift jedes Kind blitzschnell, wie unangenehm es
für einen Menschen ist und wie bedrohlich, diese eigentlich
liebe Absicht, auf den Hund wirken muss!
So wird klar, wie wichtig und überlegt sein muss, wo ich
meinen Familienhund kaufe und das fremde Hunde weder böse noch
gut sind, sich aber wesentlich durch ihre Sozialisierung und Erziehung
unterscheiden!
Kinder,die die Möglichkeit haben mit einem Tier aufzuwachsen,
haben eine höhere Sozialkompetenz und sind weniger
häufig krank, als Kinder ohne den tierischen Partner an Ihrer
Seite.
Sie sehen, ein harmonische Zusammenleben zwischen Kindern und Hunden
kann etwas Wundervolles sein, WENN es getragen wird von Wissen
& Respekt, wie der unabdingbaren elterlichen Sorgfalt.
Helena Saberi