FCI  VDH  DDC

Doggenzucht Quirinum
 

Was ist diese HD ?

 

Kurze vereinfachte Darstellung:
 

HD ist die Abkürzung für Hüftgelenksdysplasie, eine Gelenkserkrankung, die durch Röntgen des Hüftgelenkes diagnostiziert wird.

Das Hüftgelenk besteht aus der Gelenkpfanne, ihr gegenüber steht der Gelenkkopf am oberen Ende des Oberschenkelknochens.

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Bild 2: Konturzeichnung und Röntgenbild eines HD-freien Hundes

Für den Fachmann hingegen stellt die Erkennung keine Hürde dar. Das nächste Bild veranschaulicht die HD in zwei Graden:

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Bild 3: Röntgenbilder eines HD-kranken Hundes

 

Die Krankheitszeichen der Hüftgelenksdysplasie sind unter anderem ein erschwertes Aufstehen aus sitzender oder liegender Haltung, eine übermäßige Lahmheit nach Anstrengungen, wacklige Gangart, Geräusche beim Gehen und manches mehr. Folgendes Bild verdeutlicht, welche Probleme die HD in den Gelenken verursachen kann.


Dr. Friedmar Krautwurst:

Gedanken zur züchterischen Bekämpfung der HD

in der Population der Deutschen Dogge

Die Hüftgelenksdysplasie HD als genetisch beeinflusstes und durch Umweltfaktoren modifizierbares Merkmal kann in starkem Maße den Gebrauchswert und somit auch den Zuchtwert des Hundes beeinflussen. Es wird gegenwärtig davon ausgegangen, dass die HD bei allen Hunderassen, einschließlich bei Mischlingen, vorkommt. Allerdings wurden hinsichtlich Verbreitung der Krankheit bei den einzelnen Rassen wesentliche Unterschiede ermittelt.

Der Grad des Dysplasiebefalls in der betreffenden Rassepopulation ist dann schließlich von Bedeutung für die Art und Weise der zuchtlenkenden Maßnahmen zur Eliminierung der Krankheit. Bei einem hohen Anteil von Merkmals- bzw. Anlagenträgern würde deren rigoroser Zuchtausschluss nicht nur die Zuchtbasis der Rasse stark verringern, sondern mit der dadurch zwangsläufig entstandenen Einengung des Genpool auch anderen Erbkrankheiten Vorschub geleistet.

Die Deutsche Dogge gehört gegenwärtig im Rahmen des VDH zu den Rassen, bei denen noch Tiere mit leichter HD zur Zucht zugelassen werden, neuerdings mit der Einschränkung, dass Partner mit HD-leicht nicht untereinander verpaart werden dürfen. Es muss demnach angenommen werden, dass eine relativ hohe HD-Frequenz vorliegt, die eine Zucht mit nur merkmalsfreien Tieren aus oben genannten Gründen noch nicht gerechtfertigt.

Verfolgt man das Geschehen auf Zuchtzulassungsveranstaltungen, kommen gegenüber dieser Annahme doch hin und wieder echte Zweifel auf. So sind die Körmeister angehalten, auch HD-freie Doggen, die in ihrer Gesamtkondition dem Rassetyp vorzüglich entsprechen, von der Zucht auszuschließen, falls diese definierte kleine optische oder auch äußerlich nicht sichtbare Fehler aufweisen. Dadurch kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass derartige, durch Zuchtlenkung relativ leicht zu beseitigende Abweichungen von den Wunschvorstellungen des Rassebildes größere Bedeutung beigemessen wird als der Gesundheit und Leistungsfähigkeit in der Population. Weiterhin zwingt sich der Gedanke auf, wenn auf so wertvolle, nicht HD-belastete Hunde in der Zucht verzichtet werden kann, dürfte der HD-Befall in der Rassepopulation niedrig genug sein, um nur mit merkmalsfreien Tieren zu züchten.

Es bleibt jedoch immer zu bedenken, dass die genaue Ermittlung des Grades des Dysplasiebefalles ein gewisses Problem darstellt, indem die Auswertung der Ergebnisse langjähriger Röntgenuntersuchungen einschließlich Vergleiche mit anderen Rassen in ihrer biostatischen Wertung mit Vorbehalten angesehen werden müssen.

Dies begründet sich aus der Tatsache, dass bei weitem nicht alle Tiere einer HD-Röntgenuntersuchung zugeführt werden. Des weitern sind viele Züchter nur an einem für die Zucht zugelassenen HD-Ergebnis interessiert, Röntgenaufnahmen mit offensichtlicher HD werden dann gar nicht erst zur Begutachtung eingesandt. In Kenntnis dieser und noch weiterer Vorbehalte sollen nachfolgend an Beispielen ermittelter HD-Befallsraten zwischen den Rassen und im Speziellen für die Deutsche Dogge beschrieben werden.

In einer schweizerischen Studie schwankt nach Flückiger, zitiert von Linnmann (1998), die Häufigkeit der HD zwischen 7% beim Sibirian Husky und 69% beim Gordon Setter. Ebenfalls Linnmann (1998) stellt Tabellen von Corley 1992, vor, deren Aussagefähigkeit doch als recht akzeptabel angesehen dürfte.

Von 87 ausgewerteten Rassen sind pro Rasse wenigsten 100 auf HD geröntgte Vertreter die Grundlage, alle untersuchten Tiere waren 24 Monate alt, die Ergebnisse werden von 318.935 HD-Röntgenuntersuchungen ausgewiesen. Alle diese 87 in den USA und Kanada ausgewerteten Rassen sind nach HD-Befallshäufigkeit und zusätzlich nach HD-Graden geordnet.

Die Befallsrate variiert zwischen 48,1% beim Bernhardiner und 1,8% beim Barsoi, was einer Spannweite von 46,3 % entspricht.

Die Deutsche Dogge ist in dieser Auswertung mit einer beachtlichen Anzahl von 3824 Tieren beteiligt, ihre Befallsrate liegt in einem außergewöhnlich günstigen Rahmen von nur 13,7 %. Nach Schweregrad wurden 9,8% HD-leicht, 3,4% HD-mittel und 0,5 % HD-schwer ausgewiesen. Grenzfälle zwischen HD-frei und leicht betrugen nur 1,5 %.

In deutschen Auswertungen liegt die HD-Befallsrate (leicht bis schwer) wesentlich höher. Nach Veröffentlichungen im Almanach des DDC von 1989/90 ist einer Auswertung der Jahre 1973 bis 1990 mit 7906 Befundenen eine durchschnittliche Befallsquote von 38,97% zu entnehmen.

Verfolgt man die Auswertung sechs Jahre später in den Zuchtbüchern des DDC von 1997 bis 1999 so wird für 1141 Befunde erstaunlicherweise im Mittel (für leicht bis schwer) nur noch einen Befallsquote von 18,76% ausgewiesen. Dieser enorme kurzfristige Befallsrückgang ist vom Verfasser nicht nachvollziehbar, da folgende Erkenntnis zu bedenken bleibt:

Die Wissenschaft geht davon aus, dass bei der gegenwärtigen Massenselektion nach phänotypischer Bewertung des Einzeltieres anhand des Röntgenbildes sich der Selektionserfolg nur langsam einstellt und auch nur zu einem gewissen Grad wirksam ist. Diese Meinung begründet sich u.a. dadurch, dass viele Merkmale, Eigenschaften und Erb-Umweltkrankheiten, wie auch die HD, nicht nur von einer Erbanlage allein (monogen) im mendelschen Erbgang ausgelöst werden, sondern einem polygenen Vererbungsmodus unterliegen.

An der Ausprägung der HD sind demnach eine Vielzahl von Genen beteiligt. Erst wenn ein bestimmtes Mindestquantum an Anlagen, der sogenannte Schwellenwert, erreicht ist, kommt es zur Merkmalsbildung der Krankheit und ihrer röntgenologischen Nachweisführung.

Obwohl das Anliegen des Verfassers hier nur einen genetische Betrachtungsweise sein soll, darf hier die Möglichkeit der Verhinderung phänotypischer Ausprägung von Defektgenen durch günstige Umweltfaktoren nicht unerwähnt bleiben (optimale Gewichtsentwicklung, altersgerechte Bewegung während des Wachstumes u.a.m.).

Der polygen determinierte Vererbungsmodus und die maskierenden Einflüsse der Umwelt sind auch die Ursachen, dass nach merkmalsfreien Eltern HD-belastete Nachkommen auftreten können. Die Anlagen (Defektgene) der merkmalsfreien Eltertiere belaufen sich dann quantitativ unter dem die Krankheit auslösenden Schwellenwert. Im Zusammenhang mit den Vorgängen während der Geschlechtszellbildung und der Befruchtung kann bei den Nachkommen der die Krankheit auslösende Schwellenwert erreicht bzw. überschritten werden und dann die Merkmalsbildung der HD wieder erfolgen.

Diese Erkenntnis fordern für die züchterische Bekämpfung der HD in ihrer Endkonsequenz den Zuchtausschluss von Anlageträgern auch innerhalb der merkmalsfreien Tiere. Das bedeutet konkret, dass nach der phänotypischen Beurteilung der Röntgenaufnahme, wenn es der Grad des Dysplasiebefalles der Rasse erlaubt, zusätzlich die Bewertung und Selektion der HD-freien Zuchttiere nach ihrem Genotyp vorgenommen wird.

Zur Schätzung dieser HD-Anlagenfreiheit bedient man sich dem populationsgenetischen Verfahren der Zuchtwertschätzung des Zuchttieres.

Der Zuchtwert ist ein Maß für die genetische Qualität des Tieres. Es bringt zum Ausdruck, um wie viel die Nachkommen im Bezug auf das betreffende Merkmal besser oder schlechter sein werden als das Mittel der Population. Mit der gegenwärtigen, nur phänotypischen Beurteilung der Zuchttiere bzw. ihrer Merkmale wird definiert, wie sie sind, auf ihren Zuchtwert geschätzte hingegen kommt zum Ausdruck mit welcher Wahrscheinlichkeit sie die betreffenden Merkmale vererben werden. Die genetische Qualität der Merkmale und Eigenschaften ist allerdings nicht unmittelbar messbar, man ist auf Informationen aus dem verwandschaftlichen Umfeld des Probanden angewiesen.

Nach dem gegenwärtigen Stand der HD-Zuchtwertschätzung wird unter Einbeziehung möglichst aller geröntgten Verwandten - Vorfahren, Geschwister, Nachkommen - eine sogenannte Zuchtwertzahl errechnet, sie bringt die erbliche Belastung des merkmalsfreien Probanden zum Ausdruck. Eine hohe Zahl bedeutet einen hohe genetische Belastung und eine niedrige umgekehrt. Für diese Zuchtwertzahl wird bei einer Standardabweichung von +/- 10 Punkten als Mittelwert 100 gesetzt (Beuing 1993). Die Errechnung ist nicht unkompliziert aber durch die gegenwärtig ausgereifte Computertechnik gesichert lösbar. Eine bekannte Berechnung ist die nach dem sogenannten BLUP-Verfahren (best Linear Unbiased Prediction), zu deutsch beste lineare unparteiische Vorhersage.

Zuchttiere, die aufgrund ihres Eigenbefundes die Zuchtwertvoraussetzungen erfüllen, dürfen dann in Verpaarungen nur so eingesetzt werden, dass der erwartete Genotyp bzw. Zuchtwert der Nachkommen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreitet.

Den Erwartungswert für seinen zukünftigen Welpen kann der Züchter selbst errechnen, indem er den Durchschnittswert der Zuchtzahlen beider Paarungspartner bildet, also Rüdenwert + Hündinnenwert geteilt durch 2.

Bedeutsam ist weiterhin, dass die Zuchtwertzahlen keine Konstante darstellen, sondern ständig, wenn neue Informationen über den HD-Status von Verwandten in diese Zahlen einfließen, aktualisiert werden. Dadurch wird der geschätzte Zuchtwert des Probanden dem tatsächlichen immer weiter angenähert. Gleichzeitig kommt zum Ausdruck, dass Hd-freie Tiere nicht einfach aus der Zucht ausgeschlossen werden, wenn sie sich über ihre Nachkommen als Anlagenträger erweisen, diesbezügliches Kriterium ist dann ihre Zuchtwertzahl.

Diese Betrachtungsweise zur Notwendigkeit der Zuchtwertschätzung kann natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. So wurde u.a. keine Aussage zur Bedeutung der Schätzung des Erblichkeitsgrades (Heribitalität) für die Population getroffen. Die umweltbedingte Komponente kann bei der Ausbildung der HD in ihrer Art und Weise sehr vielseitig und auch unterschiedlich modifizierend beeinflussen. Eine erläuternde Darstellung der Heribitabilitätsermittlung für die Population kann deshalb im Rahmen dieses Artikels nicht erfolgen.

Für die züchterische Bekämpfung der HD ist der genetisch bedingte Anteil von Bedeutung und dieser lässt sich wahrscheinlich gegenwärtig mit Hilfe von Zuchtwertschätzungsverfahren am sichersten ermitteln. Wie wir feststellen konnten ist ein phänotypisch gesunder (HD-freier) Hund keine Garantie dafür, dass seine Nachzucht ebenfalls gesund ist. Der vorliegende Vererbungsmodus führt dazu, dass die Nachkommen der Zuchttiere in ihren Merkmalen unvorhersagbar anders sein können.

Zusammenfassend erhebt sich die Frage, ob es nicht auch für die Deutsche Dogge an der Zeit ist, die auf den Phänotyp ausgerichteten Zuchtvoraussetzungen dahingehend zu erweitern, dass wesentliche Merkmale im Genotyp eingeschätzt werden können, d.h. die Einführung der Zuchwertschätzung. In einem Ergebnisvermerk zur Beratung der Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht über Selektionen gegen Hüftgelenksdysplaie (HD) bei Hunden am 29.03.2001 in Bonn kommt zum Ausdruck, dass bereits etwa 20 VDH-Zuchtvereine eine Zuchtwertschätzung für HD vornehmen lassen. Der Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V. hat durch konsequente Einhaltung seines modellhaften Zuchtprogrammes erreicht, dass die Hovawart-Zuchtpopulation nunmehr weitgehend HD-frei ist.

 
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